Routenverlauf der Reise

Mittwoch, 17. Juli 2019

Mopedsafari

Der nächste Tag sollte ein Dschungeltag werden. Irgendwie wurden wir zwischenzeitlich schwach und waren uns nicht mehr sicher. Wir dachten, dass wir unsere Dschungeltrips normalerweise und früher ohne Kind in jedem Fall auf eigene Faust machen würden. Weil uns die Dame am Guesthouse nach dem Führerschein für das Moped gefragt hatte, wurden wir unsicher. Wir wurden in Thailand noch nie nach irgendeinem Führerschein gefragt. Aber nach zwei Chang Bier am Vorabend wurden wir dann doch wieder Herr und Dame unserer Lage und mieteten uns ein Moped für den nächsten Tag. Die sogenannten Guides sind eh nur Stresser, die weniger sehen als der Normalsterbliche, weil sie so durch den Dschungel hetzen und die gut ausgeschilderten Wege und ausgetretenen Pfade kann jedes Kind erraten. Wir waren zum Schluss so glücklich über unsere Entscheidung. Sind es die ganzen Angsteltern oder Youtuber oder beides, die einen so verunsichern oder sind das am Ende wir selbst? Bitte verklagt uns nicht, wenn ihr euch verlauft, wir sind kein Erziehungsratgeber.
Zunächst ging es zum Frühstück ins Besucherzentrum. Dort waren vielseitige Essenstände aufgebaut und viele thailändische Fotografen bauten ihre Geräte zusammen. Ihre Ausrüstung war beeindruckend, aber vor allem die Blutegelsocken bereiteten uns ein wenig Sorge. Von Blutegeln sind wir traumatisiert, nachdem wir vor Jahren im Khao Sok Nationalpark im Süden Thailands uns nur noch mit blutverschmierten Beinen rennend vor den Mistviechern retten konnten. Im Souvenirshop deckten wir uns also mit diesen Socken ein und sahen ziemlich albern aus in Kombination mit unserer Otto-Normalverbraucher-Kleidung. Unsere erste kurze Wanderung führte uns direkt vom Besucherzentrum auf bequemen asphaltiertem Pfad in den Dschungel. Emmalie und Melli waren für das Erspähen von Kleinsttieren zuständig, worin sie beide ziemlich gut waren. Ich kümmerte mich um großes Getier, wie Elefanten und Tiger. Das erste wirklich mächtige Tier war ein meterlanger Waran, der sich auf dem Weg breit gemacht hatte. Er fand uns noch etwas bedenklicher als wir ihn. Als Highlight zeigte sich uns eine Gruppe von Gibbons, die sich direkt über unseren Köpfen von Baum zu Baum schwangen. Diverse Krabbeltiere, Raupen und Schmetterlinge zogen Emmchens Aufmerksamkeit noch mehr in ihren Bann.
Mut dem Moped ging es weiter zur nächsten Wanderung. Auf der Strecke ließ uns ein frischer Elefantendunghaufen optimistisch werden. Um eine lebensmüde Schlange auf dem Weg machte ich einen Bogen. Die zweite Route war diesmal nicht asphaltiert und führte immer entlang eines Flusses, in dem den zahlreichen Warnschildern nach Krokodile hausen. Leider bekamen wir keines zu Gesicht. Fie Strecke hatte einen Engpass in Form von einem Baumstamm, der über einen schlammigen bach führte. Man konnte sich an einem lockeren Seil auf die andere Seite hangeln, aber es war eine etwas wackelige Angelegenheit. Unten lauerten, wahrscheinlich mehr in unseren Köpfen, unsere potentiellen Endgegner, die Blutegel. Über Krokodile machten wir uns weniger Sorgen. Emmchen und ich schafften es heil über die Brücke, wobei wir kurz vor dem Ende aufgrund von Gleichgewichtsproblemen abspringen mussten. Melli folgte uns einen Tick zu früh und durch unser Seilloslassen, verlor dieses seine Spannung und Melli ihre Haltung. Da hing sie armselig in den Seilen, schaffte es nicht, sich wieder hochziehen und probierte zappelnd sich Flügel wacjsen zu lassen, um ja nicht den Morast zu berühren. Die Schwerkraft war stärker und man kann heute noch die blauen Flecken an den Oberarmen bewundern. Weder die Blutegel noch die Krokodile wareb durch dieses spektakuläre Kunststück hinter dem Ofen vorzulocken. Es folgte eine Moralpredigt an Emmchen und mich, dass man über Missgeschicke anderer nicht lachen darf. Daran halten wir uns ab jetzt brav. Der 4 km lange Weg endete an einem Wasserfall mit Parkplatz, nur leider hatten wir unseren fahrbaren Untersatz nicht dabei. Die Ranger lächelten nur betreten auf die Frage nach einer Mitfahrgelegenheit und so versuchten wir unser Glück per Anhalter. Daumen hoch führte bei den ersten beiden Autos nur zu euphorischem winken und Hello Rufen, bis wir verstanden, dass man hier anders kommuniziert. Das dritte Auto winken wir souverän in der europäischen 'mach dich vom Acker-Geste' heran und ein junges thailändisches Pärchen nahm uns bereitwillig mit zum Moped. Nix wie ab nach Hause, Schweiß abduschen und nochmal relaxen. Am frühen Abend ging es wieder in den Nationalpark, um die Nachtsafari anzutreten. Auf dem Weg dahin überredete ich die schon etwas ausgehungerten Damen dazu, noch zu einem 900 Meter entfernten Aussichtsturm zu wandern, da ich auf Elefantenherden hoffte. Uns kam eine deutsche Familie entgegen, mit der wir uns schon zuvor kurz unterhalten hatten. Wir hatten ihnen den Rundweg mit der Gibbonsichtung empfohlen und sie sagten, sie hätten leider keine gesehen. Elefanten haben sie am Aussichtsturm auch nicht gesehen. Wir wollten uns selbst überzeugen und tatsächlich gerade als wir die letzten Stufen nahmen, trottete in der Ferne ein einsamer Elefant von links nach rechts durchs Bild. Wieder einmal Glück gehabt. Die Nachtsafari war ein etwas schräges Unterfangen, da man in einer Autokolonne von 20 Jeeps mit jeweils einer Person am Scheinwerfer die altbekannten Straßen im Park abfuhr. Zu sehen gab es nichts außer Rehe, die man vorher fast zutraulich überall gesehen hatte. Unser Fahrer überholte, als hätte er einen Plan, sämtliche Fahrzeuge vor uns und wir dachten, er will einfach schnell Feierabend machen. Doch dann verschwand tatsächlich vor unserer Nase ein großer Elefantenpopo in nächster Nähe im Gebüsch neben uns. Intuitiv alles richtig gemacht. Die anderen Jeeps bekamen eine Minute später von dem Spektakel nichts mehr mit. Jetzt war es aber wirklich Zeit für eine erholsame Nacht.
Am nächsten Tag ging es weiter nach Nakhon Ratchasima, von den Einheimischen Khorat genannt. Wir warteten an der Straße auf den Bus und hörten früh morgens gegen 9 Uhr laute Livemusik. Während Melli treu an der Bushaltestelle blieb, konnten Emmchen und ich uns das nicht entgehen lassen. Der Musik folgend landeten wir in einem belebten Kloster, um dessen Bot eine band auf einem Pickup immer im Kreis fuhr. Gefolgt von Hunderten betrunkener und feiernder Thailänder. Es stellte sich heraus, dass es ein Fest zu Ehren der werdenden Mönche sei. Davon gab es zwei, die in weißen Hochzeitsgewändern mot Schleppe hinter der Band herschritten. Diese Beiden waren offensichtlich die Einzigen auf der Party, die nicht so viel Spaß hatten. Bald mussten wir das Geschehen verlassen, um Melli nicht mit dem Busfahrer diskutieren zu lassen, er solle noch auf uns warten. Vernünftig wie immer verließen wir dann frühzeitig die Party. Als nächstes stand die Fahrt nach Khorat an. 


















































Freitag, 12. Juli 2019

One Night in Bangkok

Yeah, endlich wieder auf Reisen! Irgendwie haben wir Gefallen daran gefunden, unsere Erlebnisse zwischendurch zusammen zu fassen, für uns zu sortieren und für die Ewigkeit festzuhalten. Deshalb haben wir uns entschlossen, unserem Blog ein paar weitere aktuelle Kapitel hinzuzufügen.
Der Plan ist, 4 Wochen durch den Isan, im Nordosten Thailands, zu reisen und wir sind schon gleich mittendrin.
Der Flug, ausnahmsweise Nonstop nach Bangkok, war ziemlich unkompliziert, aber auch mit recht wenig Schlaf gesegnet. Nur Emmchen schlief planmäßig ungefähr 6 Stunden. Bei Melli und mir sah das anders aus. Irgendwann gaben wir es dann auf und nutzten das umfangreiche Unterhaltungsprogramm von Thai Airlines. Wir fanden in "Split" tatsächlich einen echt fesselnden Film.
Keine Ahnung wie sich das physikalisch so erklärt, aber irgendwie müssen wir beide ausgerechnet beim Fliegen auffällig häufig auf die Toilette. Mitten in der Nacht kramte ich in Folge dessen dann auf der Suche nach meinen Schuhen unter meinem Sitz. Mein einer Schuh hatte sich irgendwie so verhakt, dass ich ziemliche Gewalt anwenden musste und damit weckte ich dann meinen thailändischen Hintermann. Als ich den Schuh dann endlich befreit hatte, schaute mir dieser nur argwöhnisch in die Augen, da ich im Dunkeln seinen Schuh gewaltsam unter dem Sitz hervorgezerrt hatte. Zum Glück war er nicht kaputt. Mein Schuh war dann ziemlich einfach vor meinem Sitz zu finden, aber wenn man sich mal was in den Kopf gesetzt hat...
In Bangkok abgekommen steuerten wir zielstrebig das New Siam Riverside Hotel an. Es liegt strategisch günstig direkt am Fluss und ist nur ein paar Gehminuten von der Kao San Road entfernt. Hier haben wir schon etliche Male genächtigt, das Frühstück hat sich in den letzten Jahren gesteigert und es hat einen netten Pool. Wir stornierten unsere Unterkunft direkt um eine Nacht, damit wir morgen gleich in Richtung Khao Yai Nationalpark aufbrechen können. Da wir unser Zimmer erst ab 13 Uhr beziehen konnten, aber schon im 9 Uhr dort waren, lagerten wir unser Gepäck erstmal im Hinterzimmer der Rezeption und schmissen uns in unsere Badeklamotten. Nach einer kühlen Stunde im Wasser steuerten wir den Thewet Markt an. Zu Fuß durch die heißen Straßen Bangkoks war das eine gute Eingewöhnung ans örtliche Klima. Den Markt besucht man besser am frühen Morgen, aber die Fischstände waren noch prall gefüllt mit lebendigem Allerlei. Aale, Kröten, Welse und Schildkröten warten in großen mit Wasser gefüllten Bottichen auf ihre hungrigen Käufer. Emmalie sprang von einem zum anderen mit einer Mischung aus Ekel und Neugierde. Am Pier warteten wir bei einem ersten kalten Chang Bier auf das Taxiboot, dass uns fast bis vor die Haustür brachte. Endlich konnten wir unser Zimmer beziehen und mussten mit aller Macht gegen das Bedürfnis ankämpfen, einen kurzen Mittagsschlaf zu machen. Statt dessen ging es wieder an den Pool und in den nächsten zwei Stunden lernte Emmalie das Schwimmen im tiefen Wasser. Jippieee, gerade noch rechtzeitig. Sie war kaum noch zu bremsen und schließlich total ausgepowert. Wir konnten sie nur raus locken, weil wir ihr einen Insektenschmauß auf der Kao San Road versprachen. Und tatsächlich gab es kleine Stände, die bevorzugt Skorpione und Taranteln, aber auch die üblichen Verdächtigen wie Seidenraupen, Grillen, Zikaden, Maden und Frösche anboten. Emmalie hat sich fast durch das komplette Programm gefuttert. Zum Abendessen gab es den schärfsten Hackfleischsalat, den ich jemals gegessen habe und nach dem masochistischen Genuss ging es dann schließlich völlig erschöpft ins Bett. Die Nacht war unfassbar erholsam und wir schliefen mehr als zwölf Stunden. Gegen 11 Uhr ging es dann in Richtung Busbahnhof gen Natur! Die Toilette dort, auf die wir sie sanft zwangen, war laut Emmchen etwas haarig, aber sie entledigte sich tapfer. Sie fand es  letztendlich ganz kuschelig aber ekelhaft. 
Es fühlt sich auf jeden Fall ganz fantastisch an, wieder on the Road zu sein. Bequemer klassischer thailändischer Reisebus, extra für Emmchen mit Vorhängen und Polster ganz in Rosa gehalten. Nach unserer 'asian-standard-Kids-introduction' von wegen "die fassen dich nur so oft an, weil sie dich so süß und schön finden" war es auch für Emmalie in Ordnung ständig gestreichelt und in die Backen gekniffen zu werden. Naja, eigentlich war es auch vorher in Ordnung, wir wollten es ihr zwecks 'Eingebildetwerdenvorveugung' erklärt haben. Oh man, sie hat vom letzten Mal zum Glück wirklich Wesentliches vergessen. Wir hatten damals in China echt befürchtet, dass sie völlig überheblich nach Europa zurück kommt. Es ging. 
Gleich zu Beginn wurde das thailändische Unterhaltungsprogramm eingeschaltet. Im Fernseher lief in voller Lautstärke "Piranha 3d", ein grauenhaft schlechter amerikanischer Film über nackte Teenager, die in einem See von blutrünstigen Piranhas zerfleischt werden. Familienunterhaltung auf thailändisch. Wir hatten vor Emmchen auch schon Softpornos in thailändischen Bussen, das wäre uns in dem Fall lieber gewesen. Ein harter Kampf, Emmalie davon zu überzeugen, dass das nicht der richtige Film sei und das Fenster die bessere Unterhaltung bieten würde. Naja, bedürfnisorientierte Erziehung sieht wahrscheinlich anders aus, aber wir haben uns dann mal durchgesetzt. 
Ansonsten war die Fahrt echt ein Traum. Die Frauen schliefen gleich im Anschluss an die kurze Diskussionen (wahrscheinlich war das Alternativprogramm zu den Killerpiranhas doch nicht so spannend) und ich genoss die Fahrt wie in meiner Jugend mit lauter Musik auf den Kopfhörern. Ohne eklig nach Deutschquote oder Nationalstolz klingen zu wollen, aber irgendwie stehe ich in der Ferne auf deutsche Musik. Diesmal war es 'Das Paradies', was mir Gänsehaut verschaffte. 
Melli meinte nach ner Weile, dass sie aufs Klo müsste und da ich mittlerweile mit zwei Mellis gesegnet bin, musste Emmchen natürlich direkt auch ganz dringend. Zum Glück war ne Toilette an Bord. Die Beiden verschwanden und natürlich hielt der Bus ne Sekunde später und wir wurden an der Autobahn raus geworfen. Unsere Rucksäcke lagen schon auf der Straße und ich versuchte Busfahrer und Besatzung davon zu überzeugen, noch nicht weiter zu fahren, bevor Melli und Emmchen nicht aus dem Klo zurück waren. Sie kamen dann strahlend und erleichtert zurück und ich tat mich etwas schwer, ihre Freude zu teilen. Etwas orientierungslos machten wir uns auf irgendeinen Weg. Im Reiseführer stand, dass an der Hirschstatue die Songteuws, so zum Bus umgebaute Pickups, zum Nationalpark fahren würden, aber ein Röhren war weit und breit nicht zu hören. In Thailand dauert es zum Glück nicht lange, bis einem jemand hilft und so landeten wir im nächsten Songteuw in Richtung Hirschstatue. 15 Minuten später saßen wir dann im nächsten Songteuw zum Nationalpark. Leider fahren die Dinger erst, wenn sie voll sind und das dauerte in der Nebensaison echt ne Weile. Zum Glück war irgendwann endlich die Schule zu Ende und das Gefährt füllte sich mit Schulkindern. Irgendwann ging es weiter bis vor die Haustür unseres Guesthouses. Zum Glück hatten die auch noch ein paar Zimmer. Das erste bot eine bevölkerte Ameisenstraße über das Kopfkissen und das zweite war dann frei für uns. Ein rosa Häuschen direkt am Nationalparkeingang. Beim Abendessen war ich neben dem netten Videochat mit Sassi und Fakir, die uns bald in Thailand besuchen, absolut beeindruckt von den Nestern von Weberfinken, die ihre Nester wahnsinnig kunstvoll und gemütlich gestalten. Mich erinnerte das an unser kleines hängendes Zelt auf Lombok, nur nicht ganz so stinkend. Das und ein paar Chang waren genug für den Tag. Schön, dass ihr wieder dabei seid. Wenn wir den Blog wirklich nur für uns und unsere Erinnerung schreiben würden, wäre es gelogen.