Routenverlauf der Reise

Dienstag, 1. Januar 2019

Last but not least

Dieser letzte Blogeintrag unserer achteinhalb Monate langen Weltreise kann nur eine Liebeserklärung an unsere Tochter Emmalie sein, die wir die Zeit über ohne sie vorher gefragt zu haben, mitgeschleift haben. Am Ende können wir natürlich weder behaupten, ob es ihr geschadet hat oder geholfen oder ob sie es überhaupt mitgemacht hätte, wenn sie es hätte entscheiden können.
Der Wunsch einer langen Reise war schon seit ewig in uns gereift, lange bevor an Emmalie überhaupt gedacht war. So planten wir schon vor Jahren ein Sabbatical, sparten an, träumten schon ein bisschen von der Welt, freuten uns auf das Jahr Auszeit und harrten entspannt des nächsten Jahres ab und dann kam plötzlich Emmchen um die Ecke und verhagelte uns die Reise. Wir beschlossen das Ganze ein wenig nach hinten zu schieben und es dann später mit Kind durchzuziehen. So sollte es sein. 
Dass es dann tatsächlich so reibungslos funktionierte, hätten wir nicht für möglich gehalten. In all den achteinhalb Monaten war keiner von uns wirklich krank, niemand war beim Arzt und größere Schwierigkeiten oder Streiks blieben aus. Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüche, Überschwemmungen und Wirbelstürme sind immer knapp an uns vorbei gezogen, Unfälle haben wir links liegen gelassen und auf all unseren Reisen hatten wir nur eine wirkliche Flugverspätung.
Diesen letzten Blogeintrag wollen wir dafür verwenden, um mit einigem Abstand so etwas wie ein "Best Of" unserer Eindrücke jedes Landes versuchen zusammenzufassen.
Erste Etappe unserer Reise war Südchina. Obwohl dieses Land gleich zu Anfang ein ziemlich herausforderndes war und mit einigen Ecken und Kanten gesegnet ist, zieht es uns auf jeden Fall nochmal dorthin. Allerdings werden wir nicht noch einmal den Fehler machen und zur chinesischen Hauptreisezeit dort aufschlagen. Ein riesiges Highlight des Monats in China war auf jeden Fall die uns so weit entfernt scheinende Kultur, die für uns teilweise groteske Züge annahm. Angefangen bei quakend plärrenden Gesängen und ungelenken Massentänzen in öffentlichen Parks, über die Essensgewohnheiten und dem Hang zum Lemmingverhalten bis hin zu den wirklich gravierenden Sprachbarrieren, die selbst bei der Zeichensprache nicht Halt machten. Was waren wir froh, endlich aus den riesigen Millionenstädten, von denen wir teilweise in Deutschland noch nie etwas gehört hatten, rauszukommen und endlich europäische Gesichter an einem wuselnden Bahnhof auszumachen. Dies war der Start einer wunderbaren Reisefreundschaft mit Carla und Ingrid aus Barcelona, mit denen wir uns plötzlich in der Fremde auf sicherem Terrain fühlten. Vielen Dank für die großartigen und witzigen Momente und Erinnerungen voller Lachen und Staunen. Wir sollten uns bald mal wieder sehen. Mellis Highlight war das Mopedfahren durch die Fantasiewelt um Yangshuo und die Reisterrassen von Longsheng. Emmalie vermisste mit Sicherheit einige Spielplätze, das Meer und andere Kinder, aber dafür war sie fasziniert von den vielen verschiedenen exotischen Tieren, die leider meistens als Auslage vor den Restaurants auf ihre Erlösung warteten.
Vietnam war das Kontrastprogramm zu dem trotz der Verrücktheit ziemlich strikten und teilweise ziemlich spaßbefreiten konservativen Art der Chinesen und erleichterte uns mit dem nötigen asiatischen Chaos und der Lebensfreude, die wir so an Asien schätzen. Das Reisen dort war unkompliziert, die Menschen freundlich und aufgeschlossen, das Essen besser und es gab Spielplätze mit angrenzender Bierbude. Die bequemen Busse bringen einen für wenig Geld über Nacht durch das komplette Land und selten gab es Kommunikationshürden. Hanoi als erste Station war faszinierend chaotisch, kleinbürgerlich und weltoffen zugleich. Landschaftlich war Vietnam absolut vielseitig und die Highlights waren auf jeden Fall Ninh Binh, der gebirgige Norden, das mit ursprünglichen Stammeskulturen bewohnte zentrale Hochland und die touristenfreien Traumstrände rund um Quy Nhon. Zum Glück waren hier auch wieder mehr Reisende unterwegs und wir machten einige nette Bakanntschaften auf unserem Weg Richtung Süden. Hoch im Norden trafen wir auf ein weltreisendes Paar, mit denen wir im Laufe der Reise immer wieder in regen Kontakt waren und wir uns gegenseitig mit wertvollen Tipps weiterhalfen. Danke, Owen und Emily für die fantastischen Augenblicke. Vielleicht läuft man sich ja irgendwo in der weiten Welt wieder über den Weg. Spaßig wurde es mit Alynne und ihren Reisefreunden in der Halong Bucht, die uns in der Lachgasbar einen abwechslungsreichen Abend bescherten. Absolute Gastfreundschaft erlebten wir mitten im Nirgendwo des zentralen Hochlandes in Kontum, bei TomTom und Lien Phan, die uns einfach mal spontan zum  Abendessen zu sich an den Tisch holten und uns souverän in die stolze und verletzte vietnamesische Seele eintauchen ließen. Das erste Mal bekamen wir einen authentischen Einblick in die kontroverse kommunistische Politik Vietnams. Nach einem etwas einsamen Geburtstag im ausgestorbenen Fischerdorf, feierten wir beim Lagerfeuer am Strand mit Alan und James ausgiebig nach und sie retteten mir damit meinen Tag und zerstörten den darauffolgenden.
Der nächste Stopp an einem der schönsten Strände Asiens brachte Emmalie mit Timotheu endlich einen echten Freund auf Zeit und uns einen wahnsinnig netten Freund, Matthias den Auswanderer  aus Enkheim, die uns kürzlich sogar in Frankfurt auf dem Spielplatz besuchten.
In Vietman begann Melli außerdem eine intensive Beziehung zu den Sandfliegen, die sie bis ins südliche Thailand begleiten sollten. 
Als nächster Stopp stand Kambodscha auf dem Plan, das wir allerdings in unter 2 Wochen abgehakt hatten. Vor Jahren schon einmal in Kambodscha wollten wir diesmal das von Massentourismus überlaufene Angkor Wat umgehen und hielten uns an der Küste nordwärts Richtung Thailand. Leider ist gefühlt die komplette kambodschanische Küste in chinesischen Händen und gerade im erschreckenden Umbruch. Unser Highlight war in Kambodscha war auf jeden Fall die kleine traumhafte Insel Koh Rong Sanloem, die noch relativ ruhig und ohne chinesische Massenaufläufe daher kommt und mit traumhaften Stränden aufwarten kann. Auch das beschauliche Kampot und seine gemütlichen Unterkünfte am Fluss haben uns gefallen. Aufgrund unseres doch recht kurzen Aufenthalts war hier kaum Zeit für nähere Kontakte, so dass wir hier uns selbst überlassen waren.
Anschließend ging es in unsere gefühlte zweite Heimat Thailand, die wir in unserem Leben schon bestimmt 15 Mal besucht hatten. Es fühlte sich gut an, wieder anzukommen und bekannte Laute, Orte und für Melli Gerüche wahrzunehmen. Das erste Mal waren wir an der Ostküste an der Grenze zu Kambodscha und waren total angetan von Trat und der umliegenden traumhaften Inselwelt. Selbst auf der Sandfliegenhochburg Koh Mak fanden wir es wunderschön. Hier lernten wir den gastfreundlichen Guesthousebesitzer und Lebemann Jack kennen und in Trat den deutschen ausgewanderten Friseur Mango, mit dem wir einen intensiven Abend verbrachten. Vor zwei Tagen haben wir unsere nächste große Reise in den Sommerferien gebucht, die uns diesmal in den Nordosten Thailands führen soll und an diesem wundervollen Fleckchen Erde enden soll. Ein weiteres absolutes Must ist Koh Bulon Leh, wo wir noch ein Inselleben führen konnten wie vor 20 Jahren. Thailand ist immer auch ein verheißungsvolles Pflaster für viele tolle neue Freundschaften. So verbrachten wir einige herrrliche Tage in Khao Lak und Koh Lanta mit Tamara, Daniel und ihren zwei Kids. Emmalie fand in Jonas einen echten Freund zum Pferdestehlen und wir verstanden uns mindestens genauso prächtig mit seinen Eltern. Zur gleichen Zeit lernten wir noch Annett und Hugo aus den Niederlanden kennen, die wir sicher mal mit ihrem Foodtruck auf einem Festival wiedersehen werden. Es waren wundervolle Tage mit euch und wir denken immer noch wahnsinnig gerne an unsere gemeinsame Zeit zurück. Unsere neue Trauminsel Koh Bulon Leh bescherte uns noch weitere spannende neue Kontakte. Von den warmherzigen etwas durchgeknallten Althippies Irene und Robert, bis zu einer fantastischen abenteuerlustigen dänischen Familie mit Dorthe, Rune und Birgitte, deren Sohn von einer Schlange gebissen wurde war alles dabei.
Die nächste Etappe war dann schon Indonesien, wo uns Sassi und Fakir aus Frankfurt besuchten. Wir hatten drei aufregende Wochen inklusive rasanten Mopedtouren, Vulkanausbruch, Tauchgängen und Hippiecamps und waren begeistert, mal wieder auf bekannte Gesichter aus der Heimat zu stoßen. Vielen Dank, dass ihr uns ein Stück weit nach Hause gebracht habt. Neben diesem Highlight waren wir etwas abgeschreckt von dem Touristenhype und der Transportmafia, die  Bali mittlerweile im festumklammerten Griff hat und waren erleichtert, auf Flores ein Stück relativ geborgenes Indonesien vorzufinden. Die Tauchplätze um Komodo waren die besten, die wir je besucht hatten. Danke, Nicolas, für die märchenhaften Tauchgänge. Einen Kurzbesuch stattete uns Christina, eine Freundin aus Köln, ab und unsere Zeit während eines gemeinsamen Reisezwischenstopps reichte immerhin für ein kühles Freundschaftsbier und ein kurzes knackiges Gespräch.
Australien stand dann ganz im Zeichen des Besuchs meiner Eltern. Landschaftlich beeindruckt haben uns sicherlich die Weite der Landschaft, die Vielseitigkeit und dieser Endruck machte Lust auf Mehr. Die gut drei Wochen reichten nur für einen kurzen Einblick in dieses faszinierende riesige Land. Definitiv müssen wir nochmal herkommen. Schwierigkeiten bereiteten uns nur die plötzlich so strenge Disziplin in allen Belangen und nach dem chaotischen Asien mussten wir uns hier erstmal wieder dran gewöhnen. Einige Höhepunkte für uns waren ein Tauchgang am Wolf Rock auf Tuchfühlung mit zig Haien und Frazer Island. Dank meinen Eltern als Babysitter genossen wir ein paar Stunden Zweisamkeit. Es tat mal wieder gut, mit meinen Eltern vertraute Gesichter um sich zu haben und auch für Emmalie war dieser Besuch etwas ganz Besonderes, sich von Oma und Opa mal wieder verwöhnen zu lassen.
Anschließend folgte mit Neuseeland ein weiteres Highlight unserer gesamten Reise. Zum ersten Mal reisten wir mit einem Camper durch die Gegend und es tat gut, mal wieder selbst zu kochen, ein kleines Zuhause dabei zu haben und unabhängig zu sein. Landschaftlich beeindruckte uns die Südinsel mit ihren Urwäldern, Bergen, Delfinen, Seelöwen und Walen am meisten, aber auch der Norden hatte einiges zu bieten. An Abwechslung ist Neuseeland kaum zu überbieten. Für Emmalie war Neuseeland ein Kinderreisetraum dank modernster Spielplätze an jeder Ecke und vielen neuen Reisebekanntschaften im gleichen Alter. So lernten wir schnell viele nette Reisende kennen. Mit Sandy, Tabea und Sebastian machten wir fast die komplette Südinsel unsicher und genossen gemütliche Abende am Campingplatz. Vielen Dank für die schöne Zeit.
Immer wieder liefen uns Mareike und Daniel mit ihren zwei Kindern über den Weg und wir konnte uns gegenseitig häufig mit Tipps zur Weiterreise versorgen.
In Lucy fand Emmalie eine Freundin zum Pferdestehlen und wir waren erleichtert, dass die Eltern Robert und Steffi mindestens genauso sympathisch und nett waren wie ihre Tochter. So war es eine WinWin-Situation und wir reisten ein Stück gemeinsam über die Nordinsel.
Nach dieser langen Zeit in einem Land, das unserem Geschmack nach ein wenig zu konservativ und spießig war, fanden wir auf den Fidschis wieder den Hauch von Travellerfeeling, das wir seit Asien so vermisst hatten. Traumhafte Strände, Miniinseln wie aus dem Bilderbuch und ein paar tolle Tauchgänge und wirklich nette aufgeschlossene Insulaner machten uns das Leben hier leicht.
Unsere nächste Destination, die mehr aus der Not geboren war, weil wir nicht so genau wussten, wohin danach, entpuppte sich als Juwel. Wenn Samoa nicht am anderen Ende der Welt liegen würde, würden wir da definitiv häufiger hinreisen. Relativ ab von der üblichen Touristenroute fanden wir hier noch authentisches polynesisches Inselleben vor in wahnsinnig schöner Landschaft und vielen gastfreundlichen Menschen. Immer wieder liefen uns die gleichen Reisenden über den Weg, weil Samoa wirklich ein Dorf ist.
Mit Hawaii hatte uns die Zivilisation schlagartig wieder zurück, aber Big Island überraschte mit Aussteigern und Hippietum und aufregender Landschaft. Zum Glück war dann die Kultur außerhalb von Waikiki und Honolulu nicht ganz so amerikanisch, wie wir es befürchteten. Ein Highlight war auf jeden Fall die direkte Sicht in den brodelnden Lavasee, die schildkrötenverseuchten Strände und mein außerirdischer Nachttauchgang. Unsere Unterkunft samt herzlichen Gastgebern auf Big Island zählt sicherlich auch zu den Highlights der Reise.
Als letztes Ziel vor der Rückkehr stand noch San Francisco auf dem Plan und begeisterte uns mit seiner Vielseitigkeit, Offenheit und den vielen Sehenswürdigkeiten auf geballtem Raum. Hier liefen wir uns nochmal die Füße wund, bevor es dann ein allerletztes Mal in den Flieger ging in Richtung Heimat.

Nur Xavier, der Verschwörungstheoretiker, hatte behauptet, dieser Weg wird kein leichter sein. Für uns war er leichter, als erhofft, denn alles funktionierte tatsächlich besser als erwartet. Gerade mit Emmalie lief es wie am Schnürchen und wir sind ihr auf ewig dankbar, dass sie so ein unkompliziertes Reisekind ist. Hoffentlich behält sie sich die Lust und Offenheit für die Fremde ihr ganzes Leben lang bei und wir haben dazu vielleicht ein Stückchen mit beigetragen und sie nicht vom Reisen abgeschreckt. 
Trotz der intensiven Reiseerfahrungen ist das Fernweh in uns nicht abgeklungen, aber wir schätzen nun auch umso mehr unseren sicheren Hafen in Deutschland. Die nächste längere Reise mit Emmalie ist schon gebucht und wird uns in den Nordosten Thailands führen. Vielleicht geht unser Blog ja dann in eine Fortsetzung. 
Vielen Dank an alle Leserinnen und Leser! In erster Linie war unser Geschreibe für uns selbst als Erinnerung, aber es freut uns natürlich riesig, wenn auch andere an unseren Reiseerfahrungen teilhatten und Spaß hatten. 




Freitag, 9. November 2018

Explosionsgefahr

San Francisco sollte also unsere allerletzte Station werden, bevor es dann mit Zwischenlandung in Reykjavik zurück in die Heimat nach Frankfurt gehen sollte.
Die Flat-Earth-Theorie hatte sich somit für uns erledigt, aber jeder muss da natürlich seine eigenen Erfahrungen machen. Bestimmt sind wir nur einem billigen Trick aufgesessen und wir sind am Rande der Scheibe im Kreis geflogen oder so.
San Francisco war für uns schon immer eine Traumdestination. Die Golden Gate Bridge, die verkifften Hippiereste und natürlich Alcatraz warteten schon seit jeher auf unserer To-Do-Liste zum Abarbeiten. Auf der Suche nach einem günstigen Flug nach Hause wurden wir glücklich überrascht mit einem unschlagbaren Angebot für einen Flug von San Francisco über Reykjavik nach Frankfurt. Mit kurzer Umstiegszeit für insgesamt 660 Euro für uns 3 Personen. Günstiger kommt man kaum nach Malle.
Im sonnigen, aber recht frischen frühlingshaften Kalifornien angekommen nahmen wir die U-Bahn in das aus Mellis Hand gebuchte Hotel im Zentrum. Das Hotel war ein stimmungsvolles Schnäppchen, was aus der Zeit gefallen schien. Im Boheme-Stil eingerichtete Zimmer trafen genau Emmchens Geschmack und sie fühlte sich wie eine Prinzessin im Schloss. Der Tag war fast vorüber und wir machten uns auf den Weg, etwas zwischen die Kiemen zu bekommen. In TripAdvisor machte ich einen alteingesessen Pub und Sandwichladen ausfindig, der bei uns ums Eck lag und unser Stammlokal für die nächsten Tage werden sollte. Hier gab es außen aufregende Neonreklame, innen holzvertäfelte Wände, rotweiß-karierte Tischdeckchen, frisches Bier und deftiges Essen. Genau das, was man zum Ende einer durchweg gelungenen Weltreise braucht. Die kleine Hoffnung, eins der ersten Eintracht-Spiele der Saison morgens früh zu schauen, verwarf ich relativ schnell. Spätestens mit dem Ereignis in der Nacht, entschied ich mich vollends gegen ein Aufstehen zu nachtschlafender Zeit.
Mitten in der Nacht, so gegen 2:30 Uhr, schrillte plötzlich ein Alarm los, so dass wir senkrecht im Bett standen. Der erste Gedanke war Feueralarm, gefolgt von Terror und schließlich waren wir uns sicher, dass im Zimmer eine ferngesteuerte Bombe versteckt wäre, die jederzeit hochgehen würde. Das Geräusch war ein monotones schrilles Piepen und wir rechneten damit, dass die Intervalle schneller und irgendwann in einem großen Knall münden würden. Wir stellten das komplette Zimmer auf den Kopf, während Emmalie beeindruckenderweise wie ein Stein alles verschlief, aber das Geräusch blieb nah und doch so fern. Irgendwann machten wir die genaue Herkunft aus und staunten ungläubig, als wir uns sicher waren, das Bett würde piepen. Man konnte nicht drunter schauen, weil das Bett bis zum Boden reichte. Uns blieb nichts anderes übrig, als die komplette dicke Doppelbettmatratze samt Emmalie unter enormen Kraftaufwand ein Stück anzuheben und im Bettkasten blinkte der Übeltäter. Melli war fest davon überzeugt, endlich die Bombe dingfest gemacht zu haben, packte mit Panik in den Augen aber beherzt zu und schleuderte den kleinen grauen piepsenden und blinkenden Kasten erstmal in Richtung Ausgangstür.
Das Geräusch war jetzt wirklich laut und schrill, aber Emmalie brachte das alles nicht aus der Ruhe. Ich wagte mich etwas näher heran und erkannte ohne Brille, dass wir es mit einem altbackenen riesigen Wecker zu tun hatten. Wir hantierten noch minutenlang an dem kreischenden Ding herum und kamen nicht darauf, wie man ihn ausschaltet. Wenn man davon ausgeht, dass uns keiner einen wirklich guten Streich spielen wollte, vermuteten wir, dass ein anderer überforderter Gast ein ähnliches Bedienungsproblem hatte und den Wecker dann schließlich frustriert unter dem Bettkasten verstaut hatte, damit er ihn nicht mehr so laut hören musste. Anders können wir uns die Situation bis heute nicht erklären. Wir sind dankbar für jeden Hinweis, der zur Aufklärung der Tat führen könnte.
Melli hatte die Schnauze voll und beschloss, den piependen Wecker zur Rezeption zu bringen. Schließlich war es 3 Uhr nachts und wir hatten schon noch vor, ein bisschen weiter zu schlafen. Der Rezeptionist hatte scheinbar die gleichen ersten Ängste wie wir und ihm entfuhr nur "What the hell...". Relativ kommentarlos ließ Melli den armen Nachtrezeptionisten, der wahrscheinlich am wenigsten für die Situation konnte, mit dem viereckigen Quälgeist alleine und kam mit leeren Händen zurück ins Zimmer. Erschöpft begannen wir mit dem zweiten Teil unserer wohlverdienten Nachtruhe. Zum Glück war unser Zimmer im 3. Stock und vom Wecker an der Rezeption war nichts mehr zu hören.
Natürlich wurde Emmalie wieder pünktlich wach und wir hatten keine Chance auf ein längeres Ausschlafen. Das Frühstück im Hotel war uns zu teuer und wir beschlossen, beim nächsten Mal auf dem Weg zu essen. Wir starteten den verregneten Tag am Hafenpier mit Besuch des kleinen, aber feinen Aquariums und dem Wissenschaftsmuseum Exploratorium für Kinder, in dem Emmchen ein paar zickige Zwergenaufstände probte, aber dann im Großen und Ganzen doch recht angetan war. Aufgrund des Wetters war es leider ziemlich voll, aber wir waren schon sehr beeindruckt, was hier an Qualität und Quantität für die Kids geboten wird. Das Highlight am Pier ist aber die Robbenkolonie auf zwei Stegen mitten im Hafenbecken. Wir wurden Zaungast eines Streits zwischen einem rücksichtslosen Rüpel und 5 hilflosen Opfern häuslicher Robbengewalt, in dem es darum ging die Artgenossen vom Steg zu schmeißen. Den Tag ließen wir als Revival unserer früheren Weltreiseetappen im Thai Restaurant ausklingen, wo es als Vorspeise die heiß geliebten und lange vermissten frittierten Maden gab. 
Ein letztes Mal Wäschewaschen stand am nächsten Morgen auf dem Programm und wir machten uns auf die Suche nach einem Waschsalon. Ein paar Häuserblocks weiter wurden wir mit einem Münzautomatenwaschsalon fündig. Ein zunächst hilfsbereit erscheinender Mann griff uns unter die Arme und schenkte uns eine Portion Waschpulver. Nachdem wir mit ihm ins Gespräch kamen, merkten wirt recht schnell, dass wir es mit einem ziemlich schrägen Vogel zu tun hatten. Als er Emmalie dann unbedingt eine Anstecknadel schenken wollte, wurde uns das Ausmaß der Durchgeknalltheit dann bewusst. Es war eine Anti-Chemtrail-Nadel und nach kurzer Google-Recherche fanden wir heraus, dass unser Helfer einer der führenden Ikonen der Chemtrail Bewegung Amerikas war. Er tingelt durchs Land und hält Vorträge, schreibt Artikel und ist so etwas wie der Sprecher der Verrückten. Peinlicherweise saß er dann anschließend noch im selben Frühstückslokal wie wir während wir auf unserer Wäsche warteten. Zum Glück wirkten wir so mit unserem Frühstück beschäftigt, dass er uns mit seinem Wahn in Ruhe ließ.
Das Wetter war wieder super und wir hängten einen Lonely Planet Spaziergang an den nächsten durch spannende und absolut sehenswerte bunte Viertel wie The Mission, das Hippieviertel Haight / Ashbury, das Schwulenviertel und dem Golden Gate Park. Wir machten zig Meter an diesem Tag und Emmalie schlief zwischendrin selig in ihrer Kraxe. Mittlerweile war sie schon grenzwertig schwer geworden. Als gelungenen Abschluss des Tages rasselten, trommelten und tanzten wir gemeinsam mit wild zusammmengewürfelten Alt- und Junghippies, Junkies und Pennern im Park und zum Abendessen landeten wir dann wieder zielsicher in unserer Stammkneipe.
Die Nacht war wunderbar ruhig und gut gelaunt wachten wir am nächsten Morgen auf, den neuen Tag zu erobern. Er begann mit einer Fahrt mit der legendären Straßenbahn über schwindelnde Höhen und steile Hänge, wir staunten kurz über die kurvenreichste Straße der Welt und erreichten schließlich den südeuropäisch anmutenden Palace of fine Arts. Von da aus ging es zum Wasser in Richtung Golden Gate Bridge. Diese zeigte sich in ganzer Pracht bei strahlend blauem Himmel. Auf der Brücke nahmen wir noch an einer Mini Demonstration gegen Donald Trump und Amerikas Kriegsbeteiligung teil und schließlich führte uns unser Weg dann ans andere Ufer nach Sausalito. Wahrscheinlich waren wir wieder mindestens 10 Kilometer gewandert. In Sausalito fanden wir etwas zu essen und nahmen die Fähre zurück in die Stadt. Weil wir gerade schon mal da waren, noch einmal einen kurzen Abstecher zur Robbenkolonie.
Am folgenden und tatsächlich letzten Tag unserer Weltreise sollte es noch nach Chinatown und Alcatraz gehen.  In der Glückskeksfabrik vermissten wir etwas die Romantik und den Zauber, aber irgendwie war das ja zu befürchten. Unser Waschsalonbekannter hätte es auf die chemischen Angriffe von oben geschoben, für uns ist der Kapitalismus schuld am fehlenden Zauber.  Wir suchten in ganz Chinatown nach ihm und fanden ihn schließlich in einem Parkhaus. Hier gab es auf jedem Parkplatz einen individuellen Glückskeksspruch und ich stellte mir vor, wie ich stundenlang nach dem richtigen Parkplatz suchen würde und mich ärgern würde, dass mein Lieblingsspruch schon vergeben wäre. Von Chinatown ging es wieder hinauf zum Coit Tower und nach famoser Aussicht dann zu Fuß wieder runter in Richtung Hafen. Hier brachte uns ein Boot nach Alcatraz. Emmchen hatte keine Lust aufs Gefängnis, aber nach einer etwas queren Bootsfahrt schlief sie schnell in der Kraxe ein und wir konnten den spannenden und höchst immersiven Audioguide störfrei genießen. Unser letzter Abend auf Weltreise verschlug uns dann nach Little Japan zum Sushiessen. Emmchen hatte riesigen Spaß, denn die Fische kamen nach eigener Bestellung übers Tablet selbstständig mit einem Hochgeschwindigkeitsmodellzug angebraust. Irgendwann muss es uns mal nach Japan verschlagen, beschlossen wir.
Jetzt hieß es nur noch ein allerletztes Mal Ausmisten und am nächsten Morgen sind wir mit so wenig Gepäck wie noch nie zum Flughafen. Fast Emmalies komplette Garderobe fiel dem Sparzwang zum Opfer.  Die total durchgetragenen Sommersachen sind in Kalifornien geblieben und auch unsere Wäsche wurde radikal gekürzt. Hoffentlich bewahren wir uns diese Lust auf Weniger ein bisschen, denn wenn wir eins gelernt haben auf der Reise, dann dass es zum Glücklichsein nicht viel Materielles braucht.
Der Flug mit kurzem Zwischenstopp in Island war einfach und rustikal ohne viel Brimborium, aber wir kamen für den Preis unschlagbar günstig in unserer Heimat an. Frankfurt hatte uns nach achteinhalb wahnsinnig ereignisreichen Monaten wieder und empfing uns mit für uns gewohnten sommerlichen Temperaturen und einer vom Zwischenmieter sauber geputzten und ordentlich wie nie hinterlassenen Wohnung. Jetzt galt es erstmal anzukommen. Emmalie freute während des Fluges schon auf ein eigenes Zimmer, das sie "aufräumen kann". Diesen Wunsch können wir ihr natürlich nicht verwehren.
Zu guter Letzt fehlt noch ein abschließendes Fazit und letzte Worte, die wir im nächsten Blogbeitrag finden werden. Versprochen!